Es gibt in fast jedem Team diesen einen Konflikt, den alle kennen und über den keiner spricht. Die zwei Kollegen, die seit dem Umzug ins neue Büro nur noch per Mail miteinander reden. Die Abteilung, die „die anderen“ für den eigentlichen Grund aller Lieferverzögerungen hält. Oder die Teamleiterin, die in Meetings immer dann die Augen verdreht, wenn eine bestimmte Kollegin etwas sagt.
Offiziell ist alles in Ordnung. Inoffiziell weiß jeder Bescheid. Und das Team hat sich arrangiert: mit Umwegen, mit Schweigen, mit kleinen Spitzen in der Kaffeeküche.
Im Mittelstand sogar eine ziemlich verbreitete. Sie hat nur einen Haken: Sie funktioniert nicht.
Meistens steckt dahinter kein böser Wille, sondern die Hoffnung, dass sich das schon irgendwie von selbst erledigt. Dass die Zeit es richtet. Oder dass einer von beiden irgendwann in Rente geht.
In diesem Artikel geht es darum, warum das selten klappt, warum wir trotzdem so ungern den Mund aufmachen und wie Sie Konflikte ansprechen, ohne dass es knallt.
Konflikte, die nicht angesprochen werden, lösen sich nicht auf. Sie wandern. Erst in die Kaffeeküche, dann in die Mittagspause, dann in die Meetings. Irgendwann gibt es Lager. Und dann reicht ein kleiner Anlass, und es knallt richtig. Meistens an einer Stelle, die mit dem eigentlichen Problem gar nichts zu tun hat.
In kleinen Unternehmen ist das besonders spürbar. Wo 30 Leute eng zusammenarbeiten, kann man sich nicht aus dem Weg gehen. Ein ungelöster Konflikt zwischen zwei Personen betrifft schnell das halbe Haus. Dazu kommen die Kosten, die keiner auf der Rechnung hat:
Weil man „mit dem“ halt nicht redet. Wichtiges kommt zu spät an oder gar nicht.
Weil jeder sich absichern will, statt einfach mal nachzufragen.
Weil sie keine Lust mehr auf die Stimmung haben. Und alle anderen arbeiten mit angezogener Handbremse.
Wenn das alles so klar ist, warum macht es dann keiner? Weil es unangenehm ist. Punkt. Und weil die meisten von uns nie gelernt haben, wie man das gut macht. Die häufigsten Gründe, die ich höre:
Der Streit ist längst da. Er findet nur nicht offen statt.
Für Sie vielleicht nicht. Fürs Team schon.
Ohne dass der andere sauer wird. Das ist der ehrlichste Grund, und der einzige, an dem man wirklich arbeiten kann.
Teilweise ja. Aber eine Führungskraft kann nicht jeden Konflikt zwischen zwei Erwachsenen lösen. Und sollte es auch nicht müssen.
Es gibt keine Zauberformel. Aber es gibt ein paar Dinge, die fast immer helfen:
Je länger Sie warten, desto mehr sammelt sich an. Und dann kommt im Gespräch nicht das eine Thema auf den Tisch, sondern die Liste der letzten sechs Monate. Das überfordert jeden.
Klingt selbstverständlich. Trotzdem werden viele Konflikte im Meeting „mal eben“ angesprochen, wo sich der andere nur verteidigen kann.
„Du bist unzuverlässig“ ist ein Urteil. „Die letzten drei Zahlen kamen erst nach der Deadline“ ist eine Beobachtung.
Über Urteile streitet man, über Beobachtungen kann man reden.
Was macht das mit Ihnen? Was brauchen Sie? „Ich komme in Zeitdruck, wenn ich die Zahlen erst am Freitag bekomme“ landet anders als „Du lässt mich immer hängen“.
Fragen Sie nach der Sicht des anderen, und zwar so, dass Sie die Antwort wirklich hören wollen. Ganz oft stellt sich heraus, dass der andere ein völlig anderes Problem hat, als Sie dachten.
Ein gutes Konfliktgespräch endet nicht mit „Gut, dass wir drüber geredet haben“, sondern mit etwas Konkretem:
Was machen wir ab jetzt anders? Und wann schauen wir, ob es klappt?
Einzelne Gesprächstechniken helfen. Aber es verändert sich erst etwas richtig, wenn ein ganzes Team lernt, anders mit Konflikten umzugehen. Wenn es normal wird, Dinge anzusprechen.
Feedback ist kein Angriff. Es ist ein Zeichen, dass einem der andere nicht egal ist.
Das nennt man dann Feedbackkultur. Und die entsteht nicht durch ein Plakat im Flur mit der Aufschrift
„Wir sprechen offen miteinander“.
Sie entsteht, wenn Führungskräfte es vorleben, wenn Teams gemeinsam Spielregeln vereinbaren und wenn das Ganze ein paar Mal geübt wird, bevor es im Ernstfall klappen muss.
Gerade die Führungskräfte spielen dabei eine große Rolle. Wie Sie Ihre Führungsmannschaft dafür stärken, lesen Sie in meinem Artikel zur Führungskräfteentwicklung im Mittelstand.
Keine Unternehmensberatung.
Sondern Begleitung.
Ich komme nicht mit fertigen Lösungen, die ich Ihrem Team überstülpe. Die Spielregeln, die am Ende gelten, erarbeitet Ihr Team selbst, denn nur dann werden sie auch eingehalten. Ich sorge für den Rahmen, stelle die unbequemen Fragen und passe den Ablauf an, wenn sich zeigt, dass etwas anderes gerade wichtiger ist.
In meinen Teamworkshops geht es nicht um Vertrauensübungen im Wald oder Flöße bauen. (Kann man machen. Bringt nur selten etwas für den Montagmorgen.)
Es geht um die Themen, die Ihr Team wirklich beschäftigen:
Die Workshops finden bei Ihnen vor Ort oder in einem Tagungshotel in der Metropolregion Nürnberg statt. Gerade bei Konfliktthemen ist der neutrale Ort oft Gold wert: Raus aus dem Büro, in dem man sich täglich aus dem Weg geht, rein in einen Raum, in dem es mal nur um das Miteinander geht.
Ich begleite seit 2008 Teams und Führungskräfte, unter anderem war ich Referentin für Personalentwicklung bei Media-Saturn.
Dann ist ein Teamworkshop allein oft nicht der richtige Anfang. Häufig sind vorher Einzelgespräche oder eine moderierte Klärung zwischen den Beteiligten sinnvoll. Das schauen wir uns im Vorgespräch an.
Meistens ja, denn sie ist Teil des Teams und Teil der Lösung. Es gibt aber Situationen, in denen es sinnvoll ist, einzelne Teile ohne Führungskraft zu machen. Auch das klären wir vorher.
Oft schon direkt nach dem Workshop, weil Dinge endlich ausgesprochen sind. Nachhaltig wird es, wenn das Team die neuen Spielregeln im Alltag anwendet. Deshalb empfehle ich meistens einen Folgetermin nach einigen Wochen.
Dann sprechen wir doch darüber, zunächst nur wir zwei.
Erzählen Sie mir, was los ist, und wir schauen, welcher Weg für Ihr Team passt.